Jesus macht nicht mehr mit

Lieder und Geschichten 

von unten und oben,

von Himmel und Erde,

die Weihnacht betrachtend

Gina Pietsch – Berlin (Vocal)

Dietmar Ungerank – Hof (Gitarre)

Jesus macht nicht mehr mit

Lieder und Geschichten von unten und oben, von Himmel und Erde, die Weihnacht betrachtend

Gina Pietsch (Lieder, Chansons, Texte) und
Dietmar Ungerank (Gitarre)

Ich bin eine Heidin. Meine Eltern, in ihrer Jugend evangelisch, waren ausgetreten aus der Kirche. Ob Ihnen danach etwas gefehlt hat? Ich weiß es nicht, und ich kann sie nicht mehr fragen. Jedenfalls gab es bei uns kein Weihnachten ohne „Stille Nacht“. Erst saß meine Schwester am Klavier, dann ich. Und die Hirten schienen zu kommen, so wie wir sie im Lied gerufen hatten, nicht wissend, daß man so im alten Böhmen sang. Und „süßer klangen die Glocken“ auch nie mehr, als in meiner Kinderzeit. Und so ging das fast fünfzig Jahre – das Weihnachten einer Heidin. Mein Kollege Dietmar Ungerank ist kein Heide, wohl aber auch kein eifriger Kirchgänger. Seine Eltern in Tirol, Katholiken, waren nicht ausgetreten. Und von seiner Schwester habe ich das Lied von den „Engelen“ gelernt, die aus dem himmlischen Tor hervorkugeln und „Putzikagelen“ machen – Purzelbaum, würden wir sagen – was nicht gerade sehr himmlisch klingt, mich aber gleich himmlisch verliebt gemacht hat. An diesem Fest gibt es überhaupt viel zum Verlieben. Die schön komische „Poetantin“ Julie Schrader hat erkannt, warum:

„Weihnachten ist das Fest der Seelen,

Weihnachten ist das Fest der Lust.

Weihnachten tun sich vermählen Bethlehem und Gänsebrust.“

Und so was Schönes müßte lange dauern, bis Ostern vielleicht, wie die Schweden singen….

So unumstritten die Darstellung der Hoffnung auf Erlösung durch diesen liebevollen Jesus ist, so umstritten ist der Anteil der Reichen dabei. Von den heiligen drei Königen jedenfalls wird doch sehr Widersprüchliches erzählt. Brecht meint, in der Geschichte seien es ursprünglich Hirten gewesen, und Ludwig Thoma behauptet gar: „Es ist eine G‘ schicht von den Armen. Kein Reicher war nicht dabei“. Wie auch immer, von Reichen, die Gold verschenken, hört man immer wieder gern, von Kindern, die verhungern, ungern – heute in unserer Welt aller zweieinhalb Sekunden eines. So bedarf es denn des Mutes eines Erich Fried, dieses schöne Fest mit solch krassen Informationen zu stören. Dabei ist der Gedanke gar nicht weit hergeholt, wenn man sich von ihm den Namen des berühmten Ortes übersetzen läßt, wo alles angefangen hat – in Bethlehem, im „Haus des Brotes“, wo er geboren wurde, dieser sanfte Revolutionär, der die Liebe predigte, bis er „aufs Kreuz gelegt“ wurde. Und zwischen Geburt und Tod dieses Jesus ist so viel Wichtiges und Schönes, wozu auch ich – ähnlich Jacques Brel – ja sagen kann, ob im alten Text, oder in der Auslegung des Wolfgang Borchert, der in Kriegszeiten – vor unserer Geburt -, diesem Abend den Namen gab – „Jesus macht nicht mehr mit“.

Fußend auf der Titelgeschichte von Wolfgang Borchert, wird gesungen und erzählt – in mehreren Sprachen und Dialekten – von dieser alten guten Geschichte, die in Bethlehem begann, in der Stadt, deren Name „Haus des Brotes“ bedeutet, dort, wo er geboren wurde am Heiligen Abend, dieser „sanfte Revolutionär“, der die Liebe predigte, bis er „aufs Kreuz gelegt wurde“, und der eine Hoffnung auf Friede und Wohlgefallen blieb, bis heute und für viele. Gina Pietsch

Die Presse meint:

„Chansons und Weihnachten gehören nicht unbedingt zusammen. Doch was die Berlinerin Gina Pietsch daraus macht, ist eine ganz erstaunliche, freche, respektvoll kritische und zugleich hochkünstlerische Angelegenheit … Sie bewundert die Botschaft, die von der Heiligen Nacht ausgeht,; sie fürchtet die Menschen, die Kinder verhungern lassen und Soldaten in den Tod schicken. Und sie singt, ja sie singt großartig, ausdrucksstark, mit einer rauchigen, nach Berliner Jazzkellern schmeckenden Stimme … Der moderne Zugriff auf die Weihnachtsbotschaft und der erlesene Umgang mit Sprache und Musik hätte ganze Schülerjahrgänge beeindrucken können.“ (Neue Westfälische) „… Mithin bewährt sich die Künstlerin nicht nur gesanglich mit rauchiger Charakterstimme, sondern ebenso als Erzählerin, die sich von jeder Anspielung, jedem Blickwechsel und Klangwandel der Texte anregen läßt. Der explosiven Energie, wie sie die großartige, oft ungebärdige Schauspielerin freisetzt, hält Dietmar Ungeranks Gitarre mit Dezenz Stand: Beinah bescheiden agiert der Musiker und riskiert doch nie, nebensächlich zu werden. Gegen die abgedroschenen Phrasen der Menschlichkeit wehren sich die beiden mit wohlüberlegt-wechselreicher Dramaturgie: Die strahlenden sowohl wie die düsteren Farben des Festes tragen sie auf. Auch Weihnachtslieder singen sie – in Französisch, Schwedisch, Chilenisch-, sogar die unverwüstliche „Stille Nacht“ … (Frankenpost)

Gina Pietsch

Sängerin und Schauspielerin; Germanistik- und Musikstudium an der Karl-Marx-Universität Leipzig; Studium im Fach Chanson bei Gisela May an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“zu Berlin; Schauspielabschluss an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ zu Berlin; dort seit 1992 Lehrtätigkeit im Fach Gesang und Interpretation; zahlreiche Arbeiten für Rundfunk und Fernsehen; über fünfunddreißig Soloabende, sechzehn davon zu Brecht, die weiteren basierend u. a. auf Texten von Bachmann, Braun, Fried, Gernhardt, Goethe, Heine, Kabarett, Kempner, Schrader, Theodorakis und solchen der Kabarett-Literatur; gespielt bzw. inszeniert am Schloßpark-Theater Berlin, am Kabarett Halle, am Städtebundtheater Hof, am Schloßtheater Celle, am Stadttheater Fürth und dem Staatstheater Cottbus; ihre Inszenierung des Brecht-Abends „Die Ware Liebe“ am Stadttheater Fürth erhielt den Bayerischen Theaterpreis

Dietmar Ungerank

Gitarrist und Komponist; 1950 in Steinach am Brenner geboren; begann als Zwölfjähriger mit dem Gitarrenspiel, arbeitete in professionellen Bands und tauschte die E-Gitarre mit der Konzertgitarre, auf der er 1977 in München die Gitarrenlehrerprüfung ablegte; neben Konzertverpflichtungen spielt er am Theater Hof die Gitarrenparts in Musicals, Opern und Operetten; ist Dozent an der Musikschule der Hofer Symphoniker, wo er von 1982 bis 1988 das „Internationale Seminar für Gitarre Hof/Saale“ initiierte und leitete; seit 1987 befaßt mit Kompositionen, die er in Kombination von Text-Bild-Musik zu Klangbildern umsetzt